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Die Notwendige Digitale Agenda in 3 Akten

VORWORT

gestern Tagte der „kleine Parteitag“ wie wir in der SPD ihn so schön nennen. Der Parteikonvent. 200 Delegierte, eine breite Agenda und viele Selfies die man in der Facebook-Timeline sieht.
Wo wir gerade beim Thema Agenda sind. Die Digitale Agenda in Deutschland wird gerade vollkommen gegen die Wand gefahren! Ein Minister der nicht die absolute Notwendigkeit der Digitalisierung sieht und in seinem ideologischen Weltbild von vor 60 Jahren festhängt ist u.A. Schuld an dieser Situation. Nico Lumma schrieb in seinem Blog Lumma.de über seine Rede zum Parteikonvent und greift dabei viele Entscheidende Dinge auf. Er ist dabei sehr deutlich und ich glaube so langsam wird das auch dringend Zeit. Meiner Meinung nach ist die Zeit des bitten und betteln vorbei, die SPD muss dringend DAS Zugpferd für einen Digitalen Wandel in Deutschland werden. Ohne einen Ausbau der Digitalen Infrastruktur in diesem Land:

AKT I – Breitbandausbau

– Werden wir unseren Wirtschaftlichen Standard und unsere Leistungsfähigkeit auf dauer nicht halten können.
– Werden wir Innovationen durch Ideologie konsequent verhindern und
– in die Digitale Steinzeit zurückfallen.

Lumma nutzt in seiner Rede ein Zitat des britischen Autors Douglas Adams († 2001 / „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“):

1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.

2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr  erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.

3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.

Und ergänzt dieses noch mit dem Kommentar

Ich erspare Euch jetzt jeglichen Kommentar zur Altersstruktur der Partei.

Leider spricht er damit die aktuelle Situation in einer, auch durch dem Demographischen Wandel geprägten Partei an. Reden wir uns nichts ein, so modern die SPD tut, ist sie nicht. Wir sind keine Piraten oder Grünen die mit modern in Verbindung gebracht werden. Die alte Tante SPD hat nun auch schon 151 Jahre auf dem Buckel und man merkt es ihr an. Sicher gibt es Junge Köpfe die in der SPD und ihrem Umfeld Anstöße geben. Als Kölner muss man Valentina Kerst nennen, eine Frontfrau der Digitalen Menschen in der SPD, Gesche Joost die im Kompetenzteam um Peer Steinbrück für die Digitale Agenda gestritten hat und natürlich Nico Lumma sowie Sascha Lobo die ebenfalls Streiter für den Digitalen Wandel in unserer Gesellschaft sind. Solche Menschen braucht die Partei, sie kennt auch die dringende Notwendigkeit dieser Menschen und dennoch weigert sie sich in Ihrem Innersten, in Großteilen der Basis diese Menschen so zu Unterstützen das die Digitale Agenda vorangetrieben wird. Das mag jetzt nach einem Rundumschlag gegen die Deutsche Sozialdemokratie klingen, das ist es aber keinesfalls. Länder wie NRW, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen machen es vor oder probieren es zumindest. Gerade Hannelore Kraft und Malu Dreyer darf man ruhig als Vorsteher in der Polit-Prominenz verstehen, die erkannt haben das es JETZT allerhöchste Zeit ist. Ich selbst darf von mir behaupten das das Vorantreiben von kleinen Digitalen Dingen in der Parteibasis schon schwierig genug ist. Dankenswerterweise hat die KölnSPD einige sehr fähige Leute (auch im Umfeld der Partei) die schon viel bewegt haben, etwa das Projekt „Internetstadt Köln“. Die bereits oben erwähnte Valentina Kerst ist hierfür maßgeblich mitverantwortlich! Im Wahlkampf 2014 haben wir mit Eric Flügge jemanden der auch die Sozialen Netzwerke und ihr Potential den Mandatsträgern näher gebracht hat. Als ich vor gut 3 Jahren der SPD, nach 2 Jahren bei den Bündnis Grünen, beigetreten bin, wunderte es mich das ein kleiner aber aktiver Ortsverein – Digital nicht erreichbar war. Ich hatte das Glück mit Jörg van Geffen einen Aufgeschlossenen OV-Vorsitzenden zu haben. Da man dringend einen Schriftführer suchte und ein Frischling da gerade richtig gekommen ist – drückte man mir den „Posten“ aufs Auge noch bevor ich das Parteibuch hatte. Und als ersten Punkt wollte ich die Einführung einer Facebookseite durchsetzten, was auch gelang, jedoch mit Sprüchen „Das liest doch keiner“, „Hier im Bilderstöckchen ne das brauchen wir nicht“ etc. etc. Die Seite ging am 02.04.2012 Online und hat aktuell 141 Likes, quer durch die Kölner Gesellschaft. Mittlerweile ist die FB Seite auch bei ehemaligen Kritikern als Publikations- und Kommunikationsmittel angekommen. Wir reden hier im übrigen von Köln im 21 Jahrhundert. Ich möchte nicht wissen wie schwer es für Junge und Netzaffine Menschen in weniger offenen Kreisen ist. Bei uns geht man dieses Jahr noch weiter, eine Website ist in der Planungsphase und wird Ende des Jahres releaset.
Aber zurück zur Digitalen Agenda. Wie Nico Lumma bereits schrieb – die Digitale Agenda der Bundesregierung ist ein schlechter Witz. Ihre Ziele wären bereits in den 90 Jahren zum schmunzeln gewesen. Der angestrebte Breitbandausbau erinnert an das Büchsen-Telefon unserer Kindheit. Ziel soll es sein, bis 2018, 50 Mbit Deutschlandweit für alle Haushalte zu ermöglichen. Zum Vergleich in Norwegen im Vestland gibt es seit 2010 100Mbit/s VDSL. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden sollen bis nächsten Jahr 90% der Haushalte mit min. 100 Mbit/s versorgt sein. 144 Gemeinden sind bereits vollständig erschlossen, 31 noch in der Planungsphase. Im Blick auf Japan zeigt sich wie Witzlos unsere Pläne sind – dort wird eine Verbindung von 2 Gigabit/s für 40€/Monat angeboten. Dazu gibt es die passende Hardware. Wir reden damit von Netzen – für die es noch KEINE Endgeräte für Kunden gibt. Ich glaube kaum etwas zeigt deutlicher wie Rückständig die ach so gelobte Deutsche Industrienation ist.

AKT II – Teilhabe

Breitband ist Teilhabe. Es gibt Menschen die gerne am Gesellschaftlichen Leben teilnehmen würden, es aber aus verschiedensten Gründen nicht können. Eine breite Digitale Agenda muss auch dies ermöglichen. LiveStreams, eine Digitalisierung im Ämter-Wesen, in Unternehmen wie Versicherungen oder in Staatlichen Institutionen wie Gerichten, Polizeidienststellen muss dringend geschaffen werden.
Auch wenn es vielleicht nach Sci-Fi klingt, es wird die Zukunft sein. Wenn ich einen Reisepass benötige, muss ich auf ein Bürgeramt fahren, eine Nummer ziehen, warten… , mich Ausweisen, Dokumente ausfüllen, ein Bild Analog einreichen etc. etc.
Stellen wir uns jetzt vor, man könnte diesen ganzen Prozess Digitalisieren:
Man vereinbart über ein Tool das auf der Website des jeweiligen Amtes eingebunden ist einen Termin, loggt sich über eine sichere Verbindung in einen Video-Chat mit der Sachbearbeiterin ein (ggf. gibt eine Software dafür), man weist sich sich mit seinem Personalausweis Digital aus, schickt das Bild als .jpg/.png Datei über das Tool zur Bearbeiterin und wird automatisch eingefügt, die Unterschrift wird über eine Funktion direkt aus einem ebenfalls eingereichten PDF/JPG/PNG eingescannt. Die eingereichten Daten werden nach dem abgeschlossenen Vorgang vom Server gelöscht. Man verabschiedet sich und loggt sich aus – und kann normal weiterarbeiten. Ach genau – Bezahlen muss ich das Ding ja auch noch – schnell via. PayPal/Sofortüberweisung. Und Fertig.

AKT III – Beruf und Familie

In Nordischen Ländern gibt es heute schon Digitale Klassenräume – da oft die Distanz der Schüler*innen zur Schule zu hoch ist. Nur um in einem Satz zu beschreiben was es schon gibt. In US ist es möglich Studiengänge Digital zu besuchen, man muss Lediglich zur Prüfung erscheinen bzw. die Prüfung an einer anerkannten Stelle ablegen. Alle Vorlesungen werden Live Gestreamt und stehen danach Digital zur Verfügung. Es gibt viele Jobs (Büro 9to5) die man auch Problemlos mit Skype oder einem anderen VoIP Dienst und einer guten Internetanbindung als Homeoffice erledigen kann. Dies würde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich erhöhen. Viele Unternehmen denken jedoch in veralteten Strukturen (und viele Unternehmensführungen werden im BWL Studium auch weiter so ausgebildet), ein Mitarbeiter der zu Hause arbeiten kann, ist oft wesentlich Motivierter, hat keine Anfahrtszeiten/Abreisezeiten zum Büro etc. Viele Unternehmer fürchten das er  sich seiner Arbeit nicht vollends zuwenden kann. Mein Vater hat noch ein Home-Office und das seit über 8 Jahren, es war toll jederzeit eine Frage stellen zu können. Und wenn keine Zeit war, dann kam man halt später wieder. Für mich war dies immer sehr angenehm. Viele Kinder sehen ihre Eltern mit etwas Glück noch morgens und dann erst Nachmittags oder Abends für wenige Stunden. Ein echtes Familienleben sieht für mich anders aus. Darum ist die Vereinbarkeit vom Familie und  Beruf so unendlich wichtig.

 to be continued…

Von PhilGabriel

Hey, ich bin Phil – 26 Jahre alt, studiere Online-Redakteur an der TH Köln und blogge hier zu verschiedenen Themen aus Gesellschaft und Politik, sowie Fotografie und digitalem Zeug. Ein munteres Sammelsurium.

1 Anwort auf „Die Notwendige Digitale Agenda in 3 Akten“

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