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Eine Lanze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Eine Lanze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

„Zwangsabgabe“, „GEZ-Terror“, „Willkür“ alles wegen 17,50€ – monatlich, egal ob man das Angebot in Anspruch nimmt oder nicht. Eine der populärsten Forderungen der permanent „Lügenpresse“ schreienden Demonstranten, primär in Ostdeutschland, ist die Abschaffung des Rundfunkbeitrages. Weniger populistisch, dennoch aus meiner Sicht falsch, springen die Kölner JuLis auf diesen Zug auf.

Es ist schon mit einer gewissen Naivität verbunden, wenn man ein reiner Unterhaltungsangebot durch Großkonzerne, deren primäre Aufgabe die Vermarktung von eben diesen Angeboten ist, mit der Grundversorgung der Öffentlich-Rechtlichen vergleicht. Dies dient im Falle der JuLis aber nur als Mittel zum Zweck um den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, in seiner jetzigen Struktur, in Frage zu stellen. Denn ein Angebot, welches den freien Bürger belastet, gehört zum „Feindbild“ des neo-liberalen Geistes.

Was die JuLis hierbei leider vollkommen übersehen, ist die dringende Notwendigkeit in einer sich schnell wandelnden und multimedialen Welt, ein neutrales und hochwertiges Angebot zu haben. Denn machen wir uns nichts vor, der klassische Journalist, der in einer Zeitung arbeitet und von dort aus unabhängig allem nachgehen kann, gehört leider der Vergangenheit an. Der Printmarkt schrumpft, Redaktionen werden zusammengelegt (ein Beispiel sind die Online-Redaktionen der DuMont-Mediengruppe in Berlin und Köln) und so katalysiert bleibt dem qualitativ hochwertigen Journalismus nur noch der öffentlich-rechtliche Rundfunk.

Deutschland hat noch eine hohe Binnenpluralität in den journalistischen  Erzeugnissen, diese ist historisch gewachsen und sorgt dafür, das verschiedene Meinungen und Sichtweisen auch im Markt der Massenmedien vertreten bzw. vertreten werden können. Doch diese ist zunehmend in Gefahr. Prof. Dr. Siegfried Weischenberg, ein deutscher Kommunikationswissenschaftler und Soziologe schrieb 2006 bereits: „Fünf Konzerne dominieren den Printmarkt, in mehr als 60 Prozent aller Städte und Kreise gibt es nur noch eine Zeitung, und beim Privatfernsehen, das einmal zum vielfältigen Verleger-TV werden sollte, gibt es ein Duopol.“, denn eine Querfinanzierung durch den Anzeigenmarkt und durch Abo’s ist heut nur noch schwer möglich.

Was hat nun der Printmarkt mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu tun?

Losgelöst natürlich auf den ersten Blick wenig. Doch ist der Printmarkt ein Teil des Marktes der Massenmedien. Er lässt sich nicht losgelöst vom Gesamtmarkt betrachten, denn er steht im ständigen Wettstreit mit Audio oder Audiovisuellen Medienerzeugnissen, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich. Wenn wir also sagen, die Pluralität der Medienerzeugnisse in Deutschland ist ein hohes Gut, dann müssen wir alles daran setzten, diese Pluralität zu erhalten. Nun haben wir im Printmarkt, wie oben zitiert, nur  5 große Medienhäuser, die natürlich einem hohen Druck untereinander ausgesetzt sind, diese dominieren mit 60% den Markt. Je höher der Druck auf jedes einzelne Verlagshaus, je höher der Druck auf jedes Medium und damit auf jede Redaktion und jeden einzelnen Journalisten. Um Kosten einzusparen werden die Mittel gekürzt, Plätze eingespart und am Ende leidet oft die Qualität. Dieses Risiko hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht, durch seine eigene hohe Pluralität und eine vom Staat unabhängige Finanzierung, ist es Journalistinnen und Journalisten leichter möglich zu recherchieren und zu produzieren. Alles jedoch stets unter dem Blick der Rundfunkräte der jeweiligen Anstalten  und der Prämisse ein Vollprogramm zu gestalten, welches die Grundversorgung (Information, Sport, Natur, Kultur etc. etc.) garantiert. Jedes Format und jede Ausgabe muss diesem hohen Qualitätsanspruch standhalten können, tut es dies nicht kann es nicht produziert werden bzw. können die Ausgaben nicht getätigt werden.

So muss jede Rundfunkanstalt einen Plan vorlegen, was sie im Jahr plant, was sie produzieren will, was sie wo ausgeben möchte. Jeder Punkt wird geprüft und erhält dann Zustimmung oder Ablehnung. Im Übrigen werden durch diese Abgaben nicht nur die Anstalten und deren Verwaltung finanziert, sondern auch die Landesmedienanstalten mitfinanziert die den privaten Rundfunk kontrollieren.

Wie dröselt sich das ganze nun auf:
ARD-Gemeinschaft: 3,96€
ARD-Landesrundfunktanstalten: 8,41€
ZDF: 4,32€
DRadio:  0,48€
LMA (Landesmedienanstalten): 0,33€

Wenn wir nun einen Blick auf den Rundfunk werfen, so gibt es nach Weischenberg im privaten Rundfunk ein Duopol, welches dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk entgegensteht. Dies ist zum einen die Mediengruppe RTL (RTL-Group: Vox, N-TV, RTL, RTL II, SuperRTL etc.) und die ProSiebenSat.1 Media SE (N24, ProSieben, Sat1, Kabel1 etc.). Während also der Printmarkt mit 5 großen Häusern noch vergleichsweise pluralistisch ist, so ist der private Rundfunkmarkt natürlich stark durch diese beiden Konzerne gesteuert. Im Jahr 2016 hielten die privaten Sender im übrigen ca. 60% des Marktes für sich. Wenn man also eine von finanziellen Aspekten unabhängige Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Medien möchte, führt kein Weg an der Finanzierung des öffentlichen Rundfunks vorbei.

EDIT: Wer der Diskussion auf Facebook folgen möchte, den bitte ich hier entlang

 

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PhilGabriel

Hey, ich bin Phil – 26 Jahre alt, studiere Online-Redakteur an der TH Köln und blogge hier zu verschiedenen Themen aus Gesellschaft und Politik, sowie Fotografie und digitalem Zeug. Ein munteres Sammelsurium.

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