[Teaser] Die Ausgestoßenen und Vergessenen

Aktuell schreibe ich an einem Feature, meinem ersten Feature, eigentlich war geplant es nur fürs Studium zu verwenden. Nachdem ich anfing zu recherchieren wurde mir schnell klar, es gibt ein großes Interesse, auch jenseits der LGBTTQI-Community, an dem was Homosexuellen in Deutschland widerfahren ist und was die Opfer des §175 durchmachen mussten. Den endgültigen Text werde ich erst Mitte Februar hier veröffentlichen, nachdem ich ihn zur Bewertung abgegeben habe und die Freigabe der beiden Protagonisten eingeholt habe.
Einen kleinen Ausblick gibt es dennoch jetzt schon, weder redigiert noch optimiert – einfach eine Rohfassung. Wenn ihr daran interessiert seid, den finalen Text zu lesen könnt ihr zum einen auf der rechten Seite ein Abo zum Blog einrichten, dann gibt es eine Mail oder ihr schaut einfach Mitte Februar wieder hier vorbei.

Für viele Menschen in Deutschland bleibt das Thema Homosexualität immer noch ein Tabu. Dies zeigt sich insbesondere auf dem Land, wo junge wie ältere es schwer haben sich zu Ihrer Homosexualität zu bekennen. Städte bieten durch ihre Anonymität und Vielfalt die Möglichkeit, freier zu leben, daher zieht es immer mehr Homosexuelle in die Ballungsgebiete. Während viele Dorfgemeinschaften auch heute noch mit Vorurteilen gegenüber Lesben und Schwulen behaftet sind.

Doch was ist, wenn es keine Zuflucht gibt, wenn der Staat, der eigentlich jeden seiner Bewohner zu schützen hat mit massiven Repressionen gegen Menschen agiert, die nichts anderes tun als zu lieben. Bis ins Frühjahr 1994 gab es in Deutschland Gesetze, die Menschen wegen der Auslebung ihrer Homosexualität diskriminiert haben.

Der §175 stellte von 1872 an, in unterschiedlichen Formen, homosexuelle Handlungen in Deutschland unter Strafe. Die bekannteste Form, ist die von den Nationalsozialisten 1935 eingeführte und bis 1969 angewendete. So beschreibt die Magnus Hirschfeld Stiftung, die sich mit der Diskriminierung von LSBTTQI beschäftigt,  “Bis zur Reform des Paragraphen 175 StGB im Jahre 1969 wurden homosexuelle Männer in der Bundesrepublik Deutschland verfolgt, selbst wenn sie als Erwachsene einvernehmliche Beziehungen miteinander hatten.” Nach 1945 wurden durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 die meisten Gesetze der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft außer Kraft gesetzt und aufgehoben, wie etwa die Blutschutzgesetzte. Unangetastet blieben jedoch viele Paragraphen im Strafrecht, wie auch der §175. Dieser wurde bis zu seiner Reform 1969 beibehalten und angewendet. Homosexuelle wurden systematisch von der Justiz verfolgt und verurteilt. In der Zeit zwischen 1950 und Reform, wurden alleine in Deutschland 50.000 Männer wegen homosexuellen Handlungen verurteilt, gegen über 100.000 wurde ermittelt. Während einige Richter, wie die des Landgericht Hamburg nur Strafen von 3 DM ansetzten, gingen einige Richter mit besonderem Ehrgeiz der Strafverfolgung nach. In den Frankfurter Homosexuellenprozessen etwa wurden 1950 und 1951 über 100 Menschen verhaftet und 75 angeklagt, darunter auch viele Minderjährige. Nachdem die gerichtlichen Vorladungen bei den Angeklagten eingingen, gab es zudem eine hohe Selbstmordrate.

Die Politik im Nachkriegsdeutschland tat sich, über alle Parteigrenzen hinweg sehr schwer mit der Aufhebung des §175, im Kabinett Adenauer IV im Jahre 1962 sprach sich, gegen die Empfehlung der Großen Strafrechtskomission für die Beibehaltung des §175 aus. In der Begründ war u.A. von einer “schweren Gefahr” für die Bevölkerung durch die “Ausbreitung eines lasterhaften Treibens” die Rede. Erst das Kabinett Brandt entschärfte den §175 am 23. Januar 1973. Die FDP forderte 1980 die gänzliche Abschaffung des §175, konnte dies aber im  Kabinett Schmidt III gegen die SPD nicht durchsetzen. Auch als am 9. März 1989 40 Abgeordnete der Grünen einen Antrag zur gänzlichen Streichung des §175 einbrachten, stimmten weder CDU, noch FDP und auch nicht die SPD für diesen.

Der Bundesjustizminister Heiko Maas hat sich dieses Jahr auf den Weg gemacht, das Unrecht, welches Menschen in Deutschland wegen dieses Gesetzes angetan wurde zu bereinigen. Opfer der §175 sollen Entschädigt werden. Ein Gutachten der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aus dem Mai des letzten Jahres sieht sogar einen verfassungsgemäßen Auftrag darin, die Opfer des §175 zu entschädigen und ist vollumfänglich mit dem Grundgesetz vereinbar. Eine Rehabilitierung meint die  Wiederherstelluung des sozialen Ansehens eines Verurteilten innerhalb der Gesellschaft, um zu Unrecht erlittene Haft oder Diskriminierung in der Gesellschaft, Zurücksetzungen im Beruf sowie den Entzug von Gütern und Lebenschancen zumindest ansatzweise zu kompensieren. Über die Höhe der Entschädigung, der Verteilung und der Art der Entschädigung gibt es bisweilen nur Gerüchte. Im Raum stehen dabei 3000€ pro Verurteilung und zusätzlich 1500€ pro Haftjahr und ein Opferfond mit dem Projekte gegen Homophobie finanziert werden können. Auch der Zeitpunkt der Entschädigung ist weiterhin offen.

Hey, ich bin Phil – 26 Jahre alt, studiere Online-Redakteur an der TH Köln und blogge hier zu verschiedenen Themen aus Gesellschaft und Politik, sowie Fotografie und digitalem Zeug. Ein munteres Sammelsurium.

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