Verkannte Notwendigkeit

R2G – was auf den ersten Blick wie eine Formel aus der Chemie wirkt, ist in Wirklichkeit ein Traum. Ein linker Machttraum. Ein Traum von einer sozialen, ökologischen und aus der linken Mitte der Gesellschaft kommenden Allianz aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Ach, was wäre es schön. Bundestagswahl 2017, Sigmar Gabriel verkündet nach einer turbulenten Wahlnacht: „Liebe Genossinnen und Genossen, wir machen Rot-Rot-Grün“, schlagartig wären alle sozialen Probleme gelöst, die Kernkraft endgültig vom Tisch, die Energiewende konsequent durchgeführt. Cannabis wäre straffrei zu kaufen, Homosexuelle Paare könnten heiraten und Kinder adoptieren. Der Mindestlohn würde erhöht werden. Ja, das wäre schön. Ja, das wäre mit R2G machbar. Eine Links-liberale Koalition würde diesem Land innenpolitisch nicht zwingend schaden. Eine Koalition derer, die es sich zum Ziel gemacht hätte, ein Deutschland zu schaffen, in dem die Schere zwischen Armen und Reichen wieder geschlossen wird. Eine Koalition die Steuerflucht massiv bekämpft. Eine Koalition die endlich die Sprache derer spricht, die ihren Protest über soziale Ungleichheit entweder lange schon unterdrückt haben oder ihn in Wahlen von Rattenfängern äußern.

So schön dieses Bild auch ist, R2G hat viele Gesichter, nicht alle sind so rosig. So gibt es in allen drei Parteien jene Kräfte die alles daran setzten, dass es niemals zu diesem Bündnis kommen kann. Innerhalb der SPD findet gerade der Seeheimer Kreis (Anmerkung: Der Seeheimer Kreis ist der „rechte“ Flügel der SPD), an vielen Außen-, Sicherheits- und auch Wirtschaftspolitischen Ansichten der Linkspartei keinen Gefallen. Dieser Konflikt hätte 1:1 so auch am Anfang des 20 Jahrhunderts stattfinden können. Die SPD wird als Kriegstreiber beschimpft, da sie sich ihrer außenpolitischen Verantwortung bewusst ist und ebenso handelt. Für die Linkspartei steht fest: Eine Koalition des Krieges wird es mit ihr nicht geben. Eine außenpolitische Naivität die ihres gleichen sucht. Weiter möchte die Linkspartei raus aus der NATO, bezeichnet die EU als Undemokratisch und hält in Teilen auch nicht am Euro fest. Das Gesicht dieses Linken-Populismus ist Sarah Wagenknecht. An ihr droht diese Koalition, diese Idee, dieser Traum zu scheitern. An ihr wird auch die Linke scheitern.

Mit Bodo Ramelow hat die Linkspartei bewiesen: Sie kann regieren, sie kann eine Gesellschaft hinter sich bringen und soziale Politik vorantreiben. Nun begehren die Realpolitiker der Linkspartei um Stefan Liebich und Bodo Ramelow auf, auf gegen die kommunistische Ideologie des kalten Krieges, auf gegen jene die Forderungen fernab der Realität stellen. Sie sind die, die R2G möglich machen können. Denn nur eine Linkspartei mit einem klaren Willen eine Veränderung herbeizuführen und dabei auch Kompromisse einzugehen, hat eine Chance dies auch tatsächlich zu erreichen. Dafür braucht es die SPD, dafür braucht es die Grünen. Beide werden sich nicht auf Ideologischen Müll einlassen, der diesem Land schadet.

Bei den Grünen gibt es jene, die im Bürgertum verwurzelt sind. Die, die früher FDP wählten, weil es keine andere Liberale Partei gab, die auch einen ökologischen und sozialen Kern hat. Diese Grünen, die z.B. mit Kretschmann in Baden-Württemberg eine Gallionsfigur des Spießertums gefunden haben. Die in Schwarz-Grün das sehen, was die Teile der SPD in der GroKo sehen. Auch diese Kräfte begehren auf.

Gelingt es denen, die R2G wollen, eine große Mehrheit ihrer jeweiligen Parteien hinter sich zu bringen, so dürfte das Experiment R2G 2017 starten. Gelingt es nicht, werden die Populisten die Linken kapern und die Spießer die Grünen. Der Weg der SPD führt dann wohl in die Opposition. R2G hat seine Chance 2017, nutzt man diese nicht, so kann es passieren, das diese Option längere Zeit nicht mehr möglich ist.

 

Hey, ich bin Phil – 26 Jahre alt, studiere Online-Redakteur an der TH Köln und blogge hier zu verschiedenen Themen aus Gesellschaft und Politik, sowie Fotografie und digitalem Zeug. Ein munteres Sammelsurium.

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