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Mir reicht's! - Leserbrief im Kölner Stadtanzeiger

3 MIN LESEZEIT

Dieser Leserbrief wurde am 21.08.2025 im Kölner Stadtanzeiger im Leserforum abgedruckt. Es handelt sich um meine Privatmeinung.

Der Brief selbst konnte neuere Entwicklungen nicht abdecken, es handelt sich um einen Zustandsbericht zu einem Punkt, etwa 1,5 Wochen vor Erscheinen.

Mir reicht’s!

Der gebürtige Kölner Philipp Gabriel ist der Meinung, dass die Stadtverwaltung den Bürgern zu viel zumutet: zu viele Baustellen, zu viele Absagen, zu viele Verbote

Köln braucht engagierte und mündige Bürgerinnen und Bürger, die nicht bevormundet, sondern an die Hand genommen werden. Denen etwas zugemutet werden kann, damit am Ende alles besser wird. Doch die letzten Wochen sind eine Zumutung für alle Menschen in Köln.

Die Dauerbaustellen

Natürlich hat der Kölner sich an die Gerüste am Dom gewöhnt, denn an diesem Wahrzeichen wird immer gearbeitet – und wir alle wissen, was passiert, wenn er doch fertiggestellt würde: „Wenn der Kölner Dom fertig ist, geht die Welt unter”, so ein Kölner Sprichwort. Doch der Oper droht dieses Schreckensszenario Weltuntergang nicht, sollte die Stadt entscheiden, aus der Dauersanierung auszusteigen. Auch vom MiQua, dem lang erwarteten jüdischen Museum, kam unlängst die nächste Hiobsbotschaft: Eine Firma, die für die Fassade verantwortlich war, ist insolvent. Dann ist da noch das Römisch-Germanische Museum, auch eine Dauerbaustelle, und als wäre die Innenstadt nicht schon genug mit Baustellen gesegnet: Die Domplatte samt Parkhaus und, nur einen Steinwurf entfernt, das Museum für Angewandte Kunst – auch hier Dauerbaustellen. Ende offen. Und wo ist der Verantwortliche? Im Wahlkampf.

Kultur und Leben

Gut, möge man jetzt sagen, Baustellen werden in Deutschland traditionell länger und teurer. Wenigstens kann man das Leben in der Stadt genießen. Etwa die kulturelle Vielfalt. Doch auch hier mutet die Stadt den Bürgern etwas zu und man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus: „Meet and Eat” auf dem Rudolfplatz steht vor dem Aus, die kleine belebte Ecke, die viele Fans lockt und ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, erhält keine Lizenzverlängerung. Die Begründung: Der Markt entspreche dem Charakter eines Wochenmarkts nicht mehr. Als Bürger frage ich mich: „Na und? Wo ist das Problem?” Die Reaktion auf den Aufschrei von Bürgern: „Wir verstehen euren Ärger” – und das war’s.

Gut, möge man jetzt sagen, dann suchen wir uns eine andere Abendgestaltung, etwa die Museumsnacht. Ach nein, auch hier ist das Aus für 2025 besiegelt. Ein neues Konzept für 2026 wird erarbeitet. Ein Schlag ins Gesicht der vielen Kulturschaffenden der Stadt, die teils ein ganzes Jahr auf dieses Event hinarbeiten. Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, Ausstellungen geplant – auch rechnen viele mit Einnahmen, die in der aktuellen Situation überlebensnotwendig sind.

Gut, möge man nun sagen, dann setzt man sich auf einen Platz in der Innenstadt zwischen ein paar Bäume und genießt ein leckeres Kölsch oder ein Glas Weißwein. Aber nur bis 22 Uhr. Denn danach gilt: Ruhe! Sonst kommt das Ordnungsamt. Das zuletzt im wahrsten Sinne des Wortes „Schlag”zeilen machte. Sei es am Brüsseler Platz oder zuletzt am Takuplatz.

Was bleibt?

Die neu geschaffenen Fakten sind dabei nur ein Problem, die Verantwortungsdiffusion – von der Verwaltung, samt Chefin, bis zur regierenden Koalition im Rat – ein anderes. In Köln weigert man sich kategorisch, Fehler einzugestehen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Einige übereifrige Verwaltungsmitarbeiter scheinen zudem eine heimliche Freude entwickelt zu haben, jeglichen Spaß zu reglementieren, statt sich um wirkliche Probleme zu kümmern. Denn die hat diese Stadt mehr als reichlich.